CONVIVIUM

Fotografie und Kulinarik im Dialog

Wenn Bilder eine andere Kunst berühren

Die Idee zu CONVIVIUM entstand beim Hören von Modest Mussorgskys Bilder einer Ausstellung. Musik wird dort zur Antwort auf Bilder. Sie beschreibt die Werke nicht einfach, sondern nimmt ihre Stimmungen, Bewegungen und Gedanken auf und überträgt sie in eine andere Kunstform.

Daraus entstand eine Frage:

Was geschieht, wenn nicht Musik auf Bilder antwortet, sondern Kulinarik?

Kochen, Essen und Genuss begleiten mich seit vielen Jahren. Mich interessieren nicht nur Geschmack und handwerkliche Perfektion, sondern auch das Zusammenspiel von Aromen, Texturen, Temperaturen, Düften, Farben und Erinnerungen. Eine Speise kann überraschen, verführen, irritieren, trösten oder Widerstand auslösen. Sie kann Gedanken und Gefühle hervorrufen – ebenso wie ein Bild.

Aus dieser Verbindung entstand CONVIVIUM: eine Werkgruppe, in der fotografische Serien zum Ausgangspunkt eigenständiger kulinarischer Interpretationen werden.

Dabei illustriert die Küche nicht einfach das Sichtbare. Ein Bild des Zorns verlangt nicht zwangsläufig nach Schärfe. Völlerei muss nicht als Überfluss auf dem Teller erscheinen. Die kulinarische Antwort kann die fotografische Deutung aufnehmen, ihr widersprechen, einen verborgenen Aspekt sichtbar machen oder einen völlig neuen Gedanken eröffnen.

Der Fotograf interpretiert ein Thema in Bildern. Eine Köchin oder ein Koch begegnet diesen Bildern und antwortet mit dem eigenen Medium: mit Geschmack, Duft, Temperatur, Textur, Konsistenz und Form.

So entsteht keine kulinarische Begleitung zur Fotografie, sondern eine weitere, eigenständige Ebene des Werkes.


Eine mögliche Begegnung

Man stelle sich vor, man betritt ein Restaurant oder einen außergewöhnlichen Veranstaltungsort. Die großformatigen Fotografien sind bereits im Raum präsent. Sie bilden keine Dekoration und keine bloße Kulisse für ein Menü. Sie sind der Ausgangspunkt des Abends.

Zu Beginn erhält jeder Gast einen Teller als Amuse-Gueule. Darauf befinden sich kleine kulinarische Impulse – vielleicht so viele, wie die fotografische Serie Bilder umfasst. Jeder Happen eröffnet eine erste sensorische Annäherung: ein Geschmack, eine Textur, eine Temperatur oder ein unerwarteter Gegensatz.

Die Gäste bewegen sich zwischen den Bildern, betrachten sie, sprechen miteinander und begegnen dem Künstler. Noch bevor die einzelnen Werke erklärt werden, beginnen Bilder und Aromen miteinander in Beziehung zu treten.

Danach beginnt das Menü.

Vor jedem Gang spricht der Künstler über das jeweilige Bild: über das zugrunde liegende Thema, seine fotografische Interpretation, die Körpersprache, das Licht, den Schatten und die Gedanken, die zur Gestaltung geführt haben.

Anschließend erläutert die Köchin oder der Koch die kulinarische Antwort. Vielleicht wurde ein Gedanke des Bildes aufgenommen. Vielleicht widerspricht die kulinarische Interpretation der fotografischen Deutung. Vielleicht führt sie zu einem Aspekt, den der Künstler selbst nicht gesehen hat.

Dann wird serviert.

Das Bild bleibt im Raum. Die Worte wirken nach. Geschmack, Duft, Temperatur und Textur treten hinzu. Aus dem Betrachten wird eine Erfahrung, die mehrere Sinne und mehrere künstlerische Handschriften miteinander verbindet.

Doch dies ist nur eine mögliche Form von CONVIVIUM.

Vielleicht beginnt ein Abend nicht mit einem Amuse-Gueule. Vielleicht werden die Bilder in einer anderen Reihenfolge erlebt. Vielleicht entwickelt eine Köchin oder ein Koch keine klassische Menüfolge, sondern kleine Speisen, überraschende Interventionen oder eine völlig neue Dramaturgie. Vielleicht verändert die kulinarische Interpretation sogar die Art, wie die Fotografien präsentiert werden.

CONVIVIUM ist kein starres Veranstaltungskonzept.

Jede Zusammenarbeit darf eine eigene Form finden. Die Ideen und die künstlerische Handschrift der Köchin oder des Kochs sind keine Ergänzung zu den Fotografien, sondern bilden die zweite eigenständige Stimme von CONVIVIUM.

Denn ein wirklicher Dialog entsteht nicht, wenn eine Seite nur ausführt, was die andere bereits festgelegt hat.


Die fotografischen Serien

Jede Serie innerhalb von CONVIVIUM besteht aus etwa fünf bis zwölf fotografischen Arbeiten. Die Bilder werden für eine großformatige Präsentation geschaffen – in der Regel mit einer Höhe oder Breite von mehr als einem Meter.

Diese Größe ist nicht nur eine Frage der Wirkung. Die Fotografien sollen im Raum körperlich präsent sein. Sie müssen aus der Entfernung wahrnehmbar bleiben und zugleich bei näherer Betrachtung Details, Strukturen und weitere Bedeutungsebenen eröffnen.

Die Themen besitzen einen starken emotionalen, menschlichen oder sensorischen Bezug. Sie handeln von Erfahrungen, Widersprüchen, Sehnsüchten, Konflikten und Kräften, die im Menschen wirken.

Gerade diese Offenheit macht eine kulinarische Interpretation möglich.

Die Bilder geben keine Geschmacksrichtungen vor und verlangen keine eindeutige Übersetzung. Sie schaffen einen Resonanzraum. Eine Köchin oder ein Koch kann auf die Atmosphäre einer gesamten Serie reagieren, einzelne Bilder interpretieren oder eine Dramaturgie entwickeln, die sich erst über mehrere Gänge entfaltet.

Die Fotografien bilden dabei die erste künstlerische Interpretation eines Themas. Die Küche begegnet nicht einer neutralen Idee, sondern bereits einer persönlichen fotografischen Deutung – und entwickelt daraus eine neue, eigenständige Antwort.

Es entsteht eine Folge von Perspektiven:

Ein Thema. Eine fotografische Interpretation. Eine kulinarische Antwort. Eine persönliche Erfahrung des Gastes.


Eine wachsende Werkgruppe

CONVIVIUM beginnt mit einer ersten fotografischen Serie, ist jedoch von Anfang an als wachsende Werkgruppe gedacht.

Im Unterschied zu meinen übrigen fotografischen Arbeiten, von denen derzeit häufig ein bis drei neue Serien pro Monat entstehen, verlangt jede Arbeit für CONVIVIUM eine andere Form der Entwicklung. Die Themen müssen nicht nur fotografisch tragen. Sie müssen offen und vielschichtig genug sein, um einer weiteren Kunstform Raum zu geben.

Mehrere neue Serien pro Jahr werden das Spektrum kontinuierlich erweitern. Jede von ihnen eröffnet andere emotionale, visuelle und kulinarische Möglichkeiten. Dadurch kann CONVIVIUM immer wieder neu interpretiert und mit unterschiedlichen Köchinnen und Köchen, Restaurants, Hotels, Galerien und kulturellen Orten weiterentwickelt werden.

Die fotografischen Arbeiten entstehen zuerst. Doch innerhalb von CONVIVIUM bleiben sie bewusst offen.

Denn die Bilder sind nicht das Ende.

Sie sind eine Einladung zur Antwort.


CONVIVIUM entsteht im Dialog

Die fotografischen Serien bilden den Ausgangspunkt. Ihre kulinarische Weiterentwicklung kann jedoch nur in der Zusammenarbeit mit Menschen entstehen, die Küche nicht allein als Handwerk oder Dienstleistung verstehen, sondern als eigenständige Form des Ausdrucks.

Für die kommenden Projekte suche ich Köchinnen und Köche, die bereit sind, den Bildern mit ihrer eigenen Handschrift zu begegnen. Nicht, um das Sichtbare auf dem Teller nachzubilden, und nicht, um eine erwartbare Speise zu einem fotografischen Thema zu entwickeln.

Die kulinarische Interpretation darf die Bilder aufnehmen, ihnen widersprechen, sie weiterdenken oder einen Aspekt sichtbar machen, den ich selbst nicht erkannt habe.

Ebenso richtet sich CONVIVIUM an Restaurants, Hotels, Galerien und kulturelle Orte, die Fotografie und Kulinarik nicht bloß nebeneinander präsentieren, sondern daraus eine gemeinsame Erfahrung entwickeln möchten.

Die konkrete Form ist bewusst offen. Möglich sind mehrgängige Menüs, kulinarisch begleitete Ausstellungen, Vernissagen mit eigens entwickelten kleinen Speisen oder neue Formate, die erst aus der Zusammenarbeit entstehen.

Jede Kooperation bringt andere Räume, andere Menschen und andere Ideen mit. Deshalb soll sich nicht der Partner einem fertigen Konzept unterordnen.

CONVIVIUM bildet den künstlerischen Rahmen – seine konkrete Gestalt entsteht gemeinsam.

Wenn Sie als Köchin oder Koch, Restaurant, Hotel, Galerie oder kulturelle Institution Interesse an einer Zusammenarbeit haben, finden Sie auf der folgenden Seite weitere Informationen zum Konzept, zu möglichen Veranstaltungsformen und zu den Voraussetzungen einer Kooperation.


Die Serien

Die fotografischen Serien bilden die erste Stimme von CONVIVIUM. Jede besitzt eine eigene Bildsprache und eröffnet einen neuen Raum für kulinarische Interpretation.

Die folgenden Einblicke zeigen den Umfang, die emotionale Grundstimmung und die thematischen Spannungsfelder der einzelnen Serien. Sie sind keine Vorgaben für die kulinarische Umsetzung. Jede Köchin und jeder Koch ist eingeladen, den Bildern mit einer eigenen Wahrnehmung und einer eigenen künstlerischen Handschrift zu begegnen.


SEPTEM VITIA CAPITALIA

Die sieben Todsünden

7 fotografische Arbeiten · 7 mögliche Gänge

Begehren · Maßlosigkeit · Hochmut · Neid · Zorn · Besitz · innere Leere

Die sieben Todsünden erscheinen nicht als moralische Urteile, sondern als menschliche Kräfte und innere Zustände. Körper, Geste und lateinische Schrift verdichten Hochmut, Habgier, Wollust, Neid, Völlerei, Zorn und Acedia zu sieben eigenständigen Bildräumen. Die Serie lädt zu einer kulinarischen Interpretation ein: sieben Fotografien als Ausgangspunkt für sieben Gänge – vom ersten Begehren bis zur inneren Leere.

Kulinarische Interpretation: offen

SILENTIUM

Vom Gewicht des Ungesagten

9 fotografische Arbeiten · 9 mögliche Gänge

Angst · Scham · Schutz · Liebe · Zustimmung · Schuld · Strafe · Zwang · Vertrautheit

Schweigen ist nicht die Abwesenheit von Kommunikation. Es kann aus Angst oder Scham entstehen, einen Menschen schützen, aus Liebe bewahren oder als Zustimmung verstanden werden. Es kann Schuld verbergen, zur Strafe werden oder durch Macht erzwungen sein. Und manchmal ist Schweigen Ausdruck vollkommener Vertrautheit, weil Worte nicht mehr notwendig sind. Die Serie lädt zu einer kulinarischen Interpretation ein: neun Fotografien als Ausgangspunkt für neun Gänge – vom bedrängenden Schweigen der Angst bis zur stillen Nähe zweier Menschen.

Kulinarische Interpretation: offen

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