Nicht jede Arbeit entsteht aus einem Zyklus.
Es gibt Bilder, die keiner seriellen Ordnung folgen und keinen formalen Rahmen benötigen, um Bestand zu haben.
Die unter Singularia versammelten Arbeiten stehen für solche Einzelsetzungen.
Sie entstehen aus derselben formalen Haltung wie die Zyklen, behaupten sich jedoch unabhängig von ihnen.
Licht, Körper und Raum treten hier nicht in eine fortlaufende Entwicklung, sondern in eine jeweilige, abgeschlossene Konstellation.
Die Arbeiten sind nicht als Fragmente oder Nebenprodukte zu verstehen.
Sie sind eigenständige Entscheidungen – Verdichtungen eines Moments, einer Spannung, einer Geste.
Reduktion dient auch hier nicht der Vereinfachung, sondern der Schärfung von Präsenz.
Innerhalb von Singularia finden sich ebenso Studien wie abgeschlossene Arbeiten.
Auch die Auseinandersetzung mit spezifischen Formaten – etwa einer fotografischen Studie für eine Weihnachtskarte – folgt keiner illustrativen Absicht, sondern untersucht, wie sich Stille, Körper und Licht unter veränderten Voraussetzungen behaupten.
Singularia versammelt Bilder ohne Zyklus.
Nicht ohne Ordnung – sondern ohne Wiederholung.
Contractio
Der Körper zieht sich in sich zurück und verdichtet sich. Spannung entsteht nicht durch Bewegung, sondern durch innere Kompression. Form erscheint als Widerstand.
Inclinatio
Der Körper kippt aus dem Gleichgewicht, ohne zu fallen. Neigung wird zur formalen Geste zwischen Ruhe und Instabilität. Der Raum reagiert auf die Lage.
Obumbratio
Der Körper tritt in den Schatten, nicht als Verbergung, sondern als Verschiebung der Wahrnehmung. Form entsteht im Entzug, nicht in der Sichtbarkeit.
Elevatio
Aufrichtung ohne Pathos. Der Körper hebt sich nicht über den Raum, sondern spannt ihn auf. Präsenz entsteht aus Haltung.
Conversio
Eine Wendung ohne Ziel. Der Körper bleibt in Bewegung, ohne Fortschritt zu behaupten. Form erscheint als Übergang.
Intermissio
Unterbrechung als Zustand. Der Körper verharrt zwischen Aktion und Ruhe. Zeit wird spürbar.
Sedens
Sitzen als formale Setzung. Der Körper trägt sein Gewicht ohne Geste. Stabilität ohne Monumentalisierung.
Gemini in umbra
Zwei Körper, eine gemeinsame Schattenstruktur. Spiegelung ohne Symmetrie. Beziehung entsteht durch Abstand.
Axis mundi I
Der Körper als vertikale Achse. Aufrichtung zwischen Erdung und Spannung. Der Raum ordnet sich entlang der Figur.
Axis mundi II
Wiederholung als Variation. Die Achse bleibt, die Wahrnehmung verschiebt sich. Form entsteht im Vergleich.
Duplex umbra
Körper und Schatten lösen sich voneinander. Doppelung ohne Identität. Der Schatten wird eigenständig.
Sheela na gig
Einzige Arbeit der Serie ohne lateinischen Titel. Studie zu einer archaischen irischen Darstellung der sogenannten Sheela na gig. Nicht als Zitat, sondern als formale Auseinandersetzung mit Körper, Geste und Direktheit.
Velatio
Verhüllung als aktive Form. Der Stoff strukturiert den Körper, nicht umgekehrt. Präsenz bleibt spürbar.
Lux natalis
Studie zu einer fotografischen Weihnachtspostkarte. Reduktion auf Licht, Haltung und Stille. Form behauptet sich unter veränderten Voraussetzungen.
