Vom Pointillismus und Divisionismus, vom fotografischen Korn und von einer Wirklichkeit, die erst im Auge entsteht
Wer sich einem pointillistischen Gemälde nähert, erlebt einen eigentümlichen Moment. Das Bild beginnt sich aufzulösen. Was aus einiger Entfernung noch Landschaft, Wasser, Himmel, Haut oder Stoff war, zerfällt allmählich in eine Vielzahl einzelner Farbpunkte. Die dargestellte Welt verschwindet – und an ihre Stelle tritt das Material, aus dem sie gemacht wurde.
Geht man einige Schritte zurück, kehrt die Welt zurück. Die Punkte verbinden sich zu Flächen, Lichtstimmungen und räumlicher Tiefe. Farben, die auf der Leinwand getrennt nebeneinanderstehen, vermischen sich in der Wahrnehmung. Aus Blau und Gelb wird der Eindruck von Grün, aus Rot und Blau entsteht ein vibrierender Schatten. Das Bild liegt also nicht vollständig auf der Leinwand. Ein wesentlicher Teil davon entsteht erst im Auge und im Gehirn des Betrachters.
Heute erscheint uns dieses Prinzip beinahe selbstverständlich. Wir leben zwischen Bildschirmpixeln, Druckrastern und digitalen Vergrößerungen. Wir haben gelernt, in winzigen farbigen Elementen ein Gesicht zu erkennen und in einer Ansammlung leuchtender Bildpunkte einen Sonnenuntergang. Ende des 19. Jahrhunderts war die Vorstellung, ein Gemälde systematisch in einzelne Farbreize zu zerlegen, jedoch radikal.
Der Pointillismus war nicht einfach eine neue Mode, bei der Maler ihre Pinselspitze vorsichtiger aufsetzten. Er war der Versuch, die Wahrnehmung selbst zum Bestandteil des Bildes zu machen.
Nach dem Impressionismus
Der Pointillismus entstand in Frankreich in den 1880er-Jahren. Als seine Begründer gelten Georges Seurat und Paul Signac. Beide gehörten zu einer jüngeren Künstlergeneration, die von den Errungenschaften des Impressionismus ausging, dessen spontane Malweise aber zugleich infrage stellte.
Die Impressionisten hatten die Malerei aus den Ateliers hinausgeführt. Sie beobachteten wechselndes Licht, atmosphärische Stimmungen, Wasser, Nebel, Bewegung und flüchtige Augenblicke. Ihre sichtbaren Pinselstriche sollten nicht unbedingt die unveränderliche Beschaffenheit eines Gegenstandes beschreiben, sondern den unmittelbaren Eindruck einer Situation wiedergeben.
Die Welt war für sie nicht einfach vorhanden. Sie veränderte sich mit dem Licht, dem Wetter, der Tageszeit und dem Standort des Betrachters. Claude Monets Serien der Kathedrale von Rouen oder seiner Seerosen zeigen nicht immer wieder denselben Gegenstand. Sie zeigen, dass derselbe Gegenstand niemals wirklich derselbe bleibt, sobald sich das Licht verändert.
Für Georges Seurat war die impressionistische Malweise dennoch zu intuitiv. Er wollte die Wirkung von Farbe und Licht nicht allein dem spontanen Empfinden überlassen. Ihn interessierte, ob sich ein Bild planvoll aus Erkenntnissen über Kontrast, Farbwirkung und optische Wahrnehmung entwickeln ließ.
Wo der Impressionist dem Augenblick vertraute, traute Seurat lieber einer Theorie. Man könnte auch sagen: Monet beobachtete das Licht – Seurat wollte ihm eine Geschäftsordnung geben.
Damit entstand der Neoimpressionismus aus einem eigentümlichen Bündnis: aus künstlerischer Empfindung und wissenschaftlichem Ordnungswillen. Der flüchtige Eindruck sollte nicht mehr bloß festgehalten, sondern systematisch aufgebaut werden. Die Farbe wurde zerlegt, geordnet und nach bestimmten Vorstellungen nebeneinandergesetzt.
Der Kunstkritiker Félix Fénéon prägte 1886 die Bezeichnung Neoimpressionismus. Er verwendete sie für die Arbeiten von Georges Seurat, Paul Signac, Camille Pissarro und Lucien Pissarro, die auf der achten und letzten Impressionistenausstellung in Paris vertreten waren. Der Begriff sollte deutlich machen, dass diese Künstler den Impressionismus nicht einfach ablehnten. Sie verstanden sich vielmehr als dessen methodische Weiterentwicklung.
Wie so oft in der Kunstgeschichte war die Lage damit sofort übersichtlich genug, um ein weiteres Jahrhundert lang über die richtigen Begriffe zu streiten.
Die wissenschaftliche Versuchung
Seurat beschäftigte sich intensiv mit zeitgenössischen Farbtheorien. Besonders wichtig waren die Arbeiten des französischen Chemikers Michel Eugène Chevreul. Dieser hatte bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts untersucht, wie stark benachbarte Farben einander beeinflussen.
Chevreuls Gesetz des Simultankontrasts besagt vereinfacht, dass eine Farbe niemals vollkommen isoliert wahrgenommen wird. Ihr Eindruck verändert sich durch die Farben, die sie umgeben. Ein Grau kann neben Blau wärmer und neben Rot oder Orange kühler erscheinen. Komplementärfarben steigern einander. Rot wirkt neben Grün intensiver, Blau neben Orange, Gelb neben Violett.
Chevreul war Direktor der Färbereien der Pariser Gobelin-Manufaktur. Seine Untersuchungen gingen unter anderem von Beschwerden über angeblich mangelhafte Farben aus. Er stellte fest, dass das Problem häufig nicht im einzelnen Farbstoff lag, sondern in dessen Nachbarschaft. Die Farbe war also unschuldig; ihr Umfeld hatte einen schlechten Einfluss. Eine Erkenntnis, die sich ohne große Mühe auch auf gesellschaftliche Fragen übertragen ließe, aber das wäre ein anderer Artikel.
Auch der amerikanische Physiker und Künstler Ogden Rood beeinflusste die Neoimpressionisten. Er unterschied zwischen der Mischung von Farbpigmenten und jener von farbigem Licht. Der französische Kunsttheoretiker Charles Blanc wiederum beschäftigte sich mit den Beziehungen zwischen Farben und versuchte, Erkenntnisse der Farbenlehre für die Malerei nutzbar zu machen.
Seurat verband diese unterschiedlichen Ansätze mit eigenen Vorstellungen von Harmonie, Rhythmus und Bildordnung. Das wissenschaftliche Vokabular verlieh der neuen Malweise zusätzliche Autorität. Kunst, die sich auf einen Chemiker und einen Physiker berufen konnte, war schließlich nicht mehr nur das verdächtige Treiben einiger Menschen mit Pinseln, sondern beinahe Forschung. Das beruhigt bis heute zuverlässig jene, denen eine Empfindung erst dann geheuer ist, wenn sie durch ein Diagramm bestätigt wurde.
Ganz so wissenschaftlich, wie Seurat und Signac glaubten, funktionierte die Sache allerdings nicht. Getrennt aufgetragene Pigmente erzeugen keine echte additive Lichtmischung, wie sie etwa bei verschiedenfarbigen Lichtquellen oder auf einem Bildschirm stattfinden kann. Pigmente reflektieren Licht und verhalten sich anders als selbstleuchtende Farben.
Vieles von dem, was in den Gemälden als optische Mischung erscheint, beruht eher auf Simultankontrast, räumlicher Verdichtung und der begrenzten Fähigkeit des Auges, sehr kleine Farbflächen aus größerer Entfernung getrennt wahrzunehmen. Das schmälert die Wirkung der Bilder nicht. Es bedeutet nur, dass Seurats Leinwand kein naturwissenschaftliches Messgerät war.
Der Divisionismus war von wissenschaftlichen Erkenntnissen angeregt, blieb aber Kunst. Wie so oft nahm die Kunst von der Wissenschaft, was sie brauchen konnte, und ließ den unbequemen Rest höflich im Labor zurück.
Vorläufer der geteilten Farbe
Der Divisionismus entstand nicht aus dem Nichts. Schon lange vor Seurat wussten Maler, dass Farben anders wirken, wenn sie nebeneinanderstehen, als wenn sie vollständig auf der Palette vermischt werden.
Eugène Delacroix setzte komplementäre und gebrochene Farben gezielt nebeneinander, um seinen Bildern größere Lebendigkeit und Leuchtkraft zu verleihen. Er war kein Divisionist im späteren Sinn, wurde von Paul Signac aber als entscheidender Vorläufer betrachtet.
Signac gab seiner 1899 veröffentlichten theoretischen Schrift den Titel D’Eugène Delacroix au Néo-Impressionnisme – Von Eugène Delacroix zum Neoimpressionismus. Damit entwarf er eine direkte Entwicklungslinie von Delacroix’ Farbgebrauch über den Impressionismus bis zur systematischen Farbteilung der Neoimpressionisten.
Wer dieser Linie bildlich folgen möchte, kann bei Delacroix etwa Der Tod des Sardanapal von 1827, Die Freiheit führt das Volk von 1830 oder die Wandmalerei Jakob ringt mit dem Engel in der Pariser Kirche Saint-Sulpice betrachten. In diesen Bildern wird Farbe nicht bloß verwendet, um Dinge korrekt anzumalen. Sie erzeugt Spannung, Bewegung, Hitze und emotionale Verdichtung.
Auch die Impressionisten bereiteten den Divisionismus vor. Bei Monet, Renoir oder Pissarro wurde der Farbauftrag sichtbar aufgebrochen. Kurze Pinselzüge unterschiedlicher Farben standen nebeneinander und erzeugten gemeinsam den Eindruck von Licht, Wasser oder Atmosphäre.
Claude Monets Impression, Sonnenaufgang von 1872, Renoirs Bal du moulin de la Galette von 1876 und Monets in den 1890er-Jahren entstandene Serie der Kathedrale von Rouen zeigen diese Auflösung besonders deutlich. Die Farbe ist nicht mehr unsichtbares Transportmittel einer illusionistischen Darstellung. Sie wird als Farbe erkennbar.
Der Unterschied zu Seurat liegt in der Methode. Die Impressionisten arbeiteten überwiegend frei, flexibel und aus der unmittelbaren Beobachtung. Der Neoimpressionismus wollte aus dieser Offenheit ein kontrolliertes Verfahren entwickeln.
Der Impressionismus hatte die Farbe befreit. Seurat nahm sie anschließend zur Seite und erklärte ihr die Regeln.
Divisionismus und Pointillismus
Pointillismus und Divisionismus werden häufig wie austauschbare Begriffe verwendet. Das ist verständlich, aber ungenau. Beide entstanden im Umfeld des Neoimpressionismus und sind eng miteinander verbunden. Dennoch bezeichnen sie nicht dasselbe.
Der Divisionismus ist zunächst ein Farbprinzip. Das Wort leitet sich von dividere, teilen, ab. Farben werden nicht vollständig auf der Palette vermischt, sondern in einzelne Bestandteile zerlegt und getrennt auf die Leinwand gesetzt. Kleine Striche, Flecken, Fäden oder Punkte unterschiedlicher Farbe stehen unmittelbar nebeneinander. Erst aus einer gewissen Entfernung sollen sie sich in der Wahrnehmung verbinden.
Der Pointillismus bezeichnet dagegen eine sichtbare Form des Farbauftrags: das Malen mit einzelnen Punkten oder sehr kleinen, annähernd gleichförmigen Farbtupfen. Der Begriff leitet sich vom französischen point, dem Punkt, ab.
Man könnte es knapp so sagen: Der Divisionismus erklärt, warum die Farben getrennt werden. Der Pointillismus beschreibt, wie eine mögliche Ausführung dieser Trennung auf der Leinwand aussieht.
Ein Künstler kann divisionistisch arbeiten, ohne Punkte zu malen. Er kann längliche Striche, kurze Fäden, Rechtecke oder mosaikartige Flecken verwenden. Entscheidend ist nicht deren Form, sondern dass die Farben getrennt bleiben und erst durch ihre Nachbarschaft eine gemeinsame Wirkung entfalten.
Umgekehrt ist nicht jedes aus Punkten aufgebaute Bild divisionistisch. Ein Künstler kann ein Motiv mit zahlreichen Punkten gestalten, ohne dabei Farben nach einem bestimmten optischen Prinzip zu trennen. Ein Punkt ist zunächst nur ein Punkt. Erst eine Theorie macht daraus ein kunsthistorisches Programm. Andernfalls müssten wir auch Konfetti zum Neoimpressionismus rechnen.
Seurat selbst bevorzugte den Begriff Divisionismus. Der Punkt war für ihn kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zur Organisation von Farbe und Licht. Auch Signac lehnte die Reduktion ihrer Malerei auf eine mechanische Punkttechnik ab. Der Begriff Pointillismus beschrieb für ihn lediglich die sichtbare Handschrift, nicht aber die zugrunde liegende Vorstellung.
Die Unterscheidung klingt zunächst wie eine jener kunsthistorischen Feinheiten, mit denen man ein angenehmes Abendessen zuverlässig in ein Kolloquium verwandeln kann. In diesem Fall ist sie jedoch tatsächlich notwendig. Wer Pointillismus und Divisionismus gleichsetzt, verwechselt die Oberfläche mit dem Gedanken.
Der Neoimpressionismus ist die kunsthistorische Strömung. Der Divisionismus ist ihr Prinzip der Farbzerlegung. Der Pointillismus ist eine mögliche, besonders auffällige Form seiner Ausführung.
Nicht jeder Divisionist ist Pointillist. Der klassische Pointillismus Seurats ist jedoch divisionistisch.
Georges Seurat und der geordnete Sonntag
Georges Seurat wurde 1859 in Paris geboren. Er erhielt eine akademische Ausbildung an der École des Beaux-Arts und entwickelte seine neue Malweise schrittweise aus Zeichnungen, Ölstudien und sorgfältig geplanten Kompositionen.
Anders als viele Impressionisten arbeitete er nicht ausschließlich spontan vor dem Motiv. Seine großen Gemälde entstanden nach umfangreichen Vorarbeiten im Atelier. Seurat wollte nicht bloß einen zufälligen Augenblick wiedergeben. Er konstruierte seine Bilder.
Als sein Hauptwerk und beinahe programmatische Verkörperung des Neoimpressionismus gilt Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte. Seurat arbeitete von 1884 bis 1886 daran. Das monumentale Gemälde zeigt Menschen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen bei ihrer Freizeit an der Seine. Spaziergänger, Soldaten, Kinder, Hunde und elegant gekleidete Paare stehen oder sitzen in einer hellen Parklandschaft.
Das Motiv erinnert zunächst an die Freizeitbilder der Impressionisten. Doch die Stimmung ist vollkommen anders. Wo bei Renoir Bewegung, Nähe und lebendige Unmittelbarkeit herrschen, wirken Seurats Figuren distanziert, streng geordnet und eigentümlich entrückt. Sie erscheinen weniger wie zufällig beobachtete Menschen als wie Bestandteile einer sorgfältig konstruierten Architektur.
Selbst der Sonntagsausflug wirkt bei Seurat, als habe jemand die Freizeit unter Denkmalschutz gestellt.
1886 wurde das Gemälde auf der achten und letzten Impressionistenausstellung gezeigt. Es sorgte für Aufsehen und machte deutlich, dass sich innerhalb der modernen Malerei eine neue Richtung gebildet hatte.
Wer Seurats Entwicklung nachvollziehen möchte, sollte neben der Grande Jatte auch Badende bei Asnières von 1883 bis 1884 betrachten. Dieses frühere Hauptwerk zeigt bereits die klare Ordnung seiner Figuren und Flächen, verwendet die spätere Punkttechnik jedoch noch nicht durchgehend.
In Die Modelle, entstanden zwischen 1886 und 1888, stellte Seurat drei nackte Frauen in seinem Atelier dar. Im Hintergrund ist ein Ausschnitt der Grande Jatte zu erkennen. Das Bild ist auch deshalb interessant, weil es Seurats Methode auf den menschlichen Körper überträgt. Haut entsteht nicht aus einem einheitlichen Fleischton, sondern aus einer Vielzahl getrennter Farbreize.
Parade de cirque beziehungsweise Zirkusparade von 1887 bis 1888 behandelt künstliche Beleuchtung und nächtliche Atmosphäre. Das Gemälde zeigt eine Werbevorstellung vor einem Zirkuszelt. Gaslichter scheinen durch Dunst, Figuren werden zu rhythmisch geordneten Silhouetten. Das Licht ist nicht bloß Beleuchtung, sondern beinahe körperliche Materie.
In Le Chahut von 1889 bis 1890 und dem unvollendet gebliebenen Zirkus von 1890 bis 1891 wandte Seurat sein Verfahren schließlich auf Tanz, Bewegung und Unterhaltung an. Die Figuren sind dynamischer, bleiben aber einer strengen Bildordnung unterworfen.
Seurat starb 1891 im Alter von nur 31 Jahren. Die genaue Todesursache ist nicht zweifelsfrei geklärt. Mit ihm verlor der Neoimpressionismus seinen wichtigsten Begründer, aber nicht seine Wirkung.
Paul Signac und die Befreiung des Punktes
Paul Signac wurde 1863 geboren und lernte Seurat in den frühen 1880er-Jahren kennen. Er wurde zu dessen wichtigstem Mitstreiter und später zum bedeutendsten Vermittler der gemeinsamen Ideen.
Während Seurat eher zurückgezogen und methodisch arbeitete, war Signac kommunikativer, politisch engagiert und hervorragend vernetzt. Nach Seurats frühem Tod trug er wesentlich dazu bei, dass der Divisionismus nicht gemeinsam mit seinem Begründer verschwand. Seine 1899 veröffentlichte Schrift Von Eugène Delacroix zum Neoimpressionismus wurde zum einflussreichen theoretischen Text der Bewegung.
In Signacs frühen Arbeiten ist der Farbauftrag noch vergleichsweise fein. Später wurden seine Farbzeichen größer, freier und mosaikartiger. Die optische Teilung blieb erhalten, doch die strenge Punktstruktur löste sich.
Besonders sehenswert ist sein Porträt von Félix Fénéon von 1890. Der Kunstkritiker steht in elegantem Profil vor einem wirbelnden, ornamentalen Hintergrund aus intensiven Farben. Wer den Pointillismus für eine beschauliche Technik zur Darstellung sonniger Parks hält, wird hier eines Besseren belehrt. Das Bild sieht aus, als hätte sich eine Farblehre zu einem sehr eleganten Nervenzusammenbruch entschlossen.
Weitere wichtige Werke sind Frauen am Brunnen von 1892, Der Papstpalast in Avignon von 1900, Der Hafen von Saint-Tropez von 1901 sowie Signacs zahlreiche Hafenansichten aus Marseille, Venedig und anderen Küstenstädten.
Gerade in diesen späteren Arbeiten werden die einzelnen Farbflächen größer und selbstständiger. Das Bild entsteht nicht mehr aus gleichförmigen Punkten, sondern aus kleinen Farbmosaiken. Signac blieb Divisionist, während er den Pointillismus im engeren Sinn zunehmend hinter sich ließ.
Henri-Edmond Cross und das Farbmosaik
Henri-Edmond Cross zeigt besonders deutlich, warum Divisionismus und Pointillismus nicht gleichgesetzt werden dürfen. Seine Farben bleiben voneinander getrennt, doch die regelmäßigen Punkte werden zunehmend durch breitere, rechteckige oder mosaikartige Pinselstriche ersetzt.
Zu seinen wichtigen Werken gehören Die goldenen Inseln von 1891 bis 1892, Der Abendhauch von 1893 bis 1894, Der Strand von Saint-Clair von 1896, Eine Lichtung in der Provence von 1906 und Zypressen bei Cagnes von 1908.
Bei Cross wird die Landschaft weniger beschrieben als aus farbigen Einheiten aufgebaut. Die Farbe löst sich zunehmend von der Pflicht, einen Gegenstand naturgetreu wiederzugeben. Sie gewinnt Eigenständigkeit und führt bereits in Richtung Fauvismus.
Henri Matisse setzte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts intensiv mit Signac und Cross auseinander. In seinem Gemälde Luxe, calme et volupté von 1904 verwendete er deutlich getrennte Farbzeichen, ohne sich dauerhaft dem strengen Neoimpressionismus anzuschließen.
Bei Cross und dem frühen Matisse beginnt die Farbe, sich von ihrer jahrhundertelangen Tätigkeit als gehorsame Oberflächenbeamtin zu verabschieden.
Maximilien Luce und die andere Moderne
Maximilien Luce übertrug die divisionistische Technik auf Stadtansichten, Industrie, Baustellen und Arbeiter. Damit löste er sie vom Verdacht, ausschließlich eine Malweise für friedliche Flussufer, elegante Spaziergänger und Menschen mit offenbar unbegrenzter Sonntagsfreizeit zu sein.
Luce malte Ansichten der Seine und von Paris, beschäftigte sich aber auch intensiv mit den belgischen Industriegebieten um Charleroi. Seine Darstellungen von Hochöfen, Fabriken, Rauch und nächtlicher Arbeit zeigen, dass divisionistisch zerlegtes Licht nicht zwangsläufig heiter oder idyllisch wirken muss.
In diesen Bildern wird das Leuchten der Farbe zu Feuer, Hitze und industrieller Energie. Der Divisionismus beschreibt nicht nur Sonnenlicht auf Wasserflächen, sondern auch eine moderne, von Maschinen bestimmte Wirklichkeit.
Zu den sehenswerten Arbeiten gehören Die Seine bei Herblay von 1890, seine Darstellungen der Hochöfen und Industrieanlagen von Charleroi aus den 1890er-Jahren sowie spätere Ansichten des Quai Saint-Michel und von Notre-Dame.
Camille Pissarro: Gast in einem System
Camille Pissarro, einer der bedeutendsten Impressionisten, schloss sich dem Neoimpressionismus für einige Jahre an. Er betrachtete Seurats Methode zunächst als logische Weiterentwicklung des Impressionismus und experimentierte mit der systematischeren Trennung der Farben.
Wer diese Phase betrachten möchte, kann etwa Apfelpflücken von 1886 und seine Ansichten aus Éragny aus den späten 1880er-Jahren suchen.
Pissarro empfand die strenge Methode schließlich als Einschränkung und kehrte zu einer freieren Malweise zurück. Seine Abkehr ist ebenso aufschlussreich wie seine Annäherung. Nicht jeder, der ein System versteht, möchte für den Rest seines Lebens darin wohnen.
Théo van Rysselberghe und der belgische Neoimpressionismus
Der Neoimpressionismus verbreitete sich rasch über Frankreich hinaus. Besonders wichtig wurde Belgien, wo Seurats Grande Jatte 1887 bei der avantgardistischen Künstlergruppe Les XX in Brüssel gezeigt wurde.
Théo van Rysselberghe wurde zum bedeutendsten belgischen Vertreter. Er übertrug die divisionistische Technik besonders überzeugend auf Porträts und Gruppenbilder. Zu seinen wichtigen Werken gehören das Porträt von Alice Sèthe von 1888, Große Wolken von 1894 sowie das monumentale Gruppenbild Die Lesung von 1903.
Die Lesung versammelt mehrere Schriftsteller und Intellektuelle um den belgischen Dichter Émile Verhaeren. Das Bild verbindet gesellschaftliches Porträt, kulturelles Selbstverständnis und divisionistische Farbstruktur. Gewissermaßen ein Gruppenfoto, für das niemand stillhalten musste, weil ohnehin alles gemalt wurde.
Van Rysselberghe zeigt außerdem, dass der Divisionismus nicht nur für Landschaften geeignet war. Er konnte Haut, Kleidung, Innenräume und psychologische Präsenz ebenso differenziert aufbauen.
Der italienische Divisionismus
In Italien entwickelte sich gegen Ende der 1880er-Jahre eine eigenständige Form des Divisionismus. Spätestens mit der ersten Triennale von Mailand 1891 trat diese neue Richtung deutlich an die Öffentlichkeit.
Die italienischen Künstler übernahmen die Vorstellung, Farben getrennt aufzutragen. Sie folgten jedoch nicht einfach Seurats regelmäßiger Punkttechnik. Stattdessen verwendeten sie längliche, fadenartige, gestrichelte oder unregelmäßig gebündelte Pinselzüge.
Auch thematisch gingen sie andere Wege. Der französische Neoimpressionismus beschäftigte sich häufig mit modernem Freizeitverhalten, Städten, Häfen und Landschaften. Der italienische Divisionismus verband die Farbteilung stärker mit Symbolismus, Spiritualität, Naturmystik und sozialen Konflikten.
Er war keine italienische Kopie des französischen Pointillismus, sondern eine eigenständige und vielfältige Richtung. Die Farbe wurde zwar weiterhin geteilt, aber nicht ausschließlich zum Zweck optischer Leuchtkraft. Sie konnte geistige, politische oder emotionale Bedeutung tragen.
Hier wird der Unterschied zwischen Pointillismus und Divisionismus endgültig sichtbar. Der französische Punkt war nur eine Möglichkeit. Die italienischen Farbfäden, Strahlen und vibrierenden Linien folgten demselben Grundgedanken, entwickelten jedoch eine vollkommen andere Bildsprache.
Giovanni Segantini: Das Licht der Berge
Giovanni Segantini wurde zu einem der wichtigsten Vertreter des italienischen Divisionismus. Er verband die geteilte Farbe mit alpinen Landschaften, bäuerlichem Leben und symbolischen Vorstellungen von Natur, Mutterschaft, Leben und Tod.
In seinen Gemälden wird das Licht nicht nur beobachtet. Es erhält eine beinahe metaphysische Bedeutung. Berge, Wiesen, Tiere und Menschen erscheinen als Bestandteile einer geistig durchdrungenen Natur.
Zu seinen wichtigen Werken gehören Ave Maria bei der Überfahrt in der zweiten Fassung von 1886, Die zwei Mütter von 1889, Die bösen Mütter von 1894, Der Engel des Lebens von 1894 sowie das zwischen 1896 und 1899 entstandene Alpentriptychon mit den Teilen Das Leben, Die Natur und Der Tod.
Die zwei Mütter zeigt eine Frau mit ihrem schlafenden Kind in einem Stall, daneben eine Kuh mit ihrem Kalb. Menschliche und tierische Mutterschaft werden in einer stillen, dunklen Szene miteinander verbunden. Das Licht hebt einzelne Formen hervor, ohne die umgebende Dunkelheit vollständig aufzulösen.
Die bösen Mütter führt weit über naturalistische Darstellung hinaus. In einer winterlichen, unwirklichen Landschaft erscheinen Frauenkörper zwischen verdrehten Bäumen. Das Bild verbindet Mutterschaft, Schuld, Begehren und Erlösung zu einer symbolistischen Vision.
Hier ist vom sonntäglichen Spaziergang an der Seine nicht mehr viel übrig. Das Licht ist nicht bloß ein optisches Ereignis. Es wird zum moralischen und metaphysischen Akteur – und damit zu etwas, das in der Kunst meist ergiebiger ist als ein korrekt belichteter Nachmittag.
Gaetano Previati: Farbe als schwingende Linie
Gaetano Previati entwickelte eine stark symbolistische Form des Divisionismus. Seine Farben liegen häufig in langen, fadenartigen und sich krümmenden Pinselzügen auf der Leinwand. Die Formen scheinen sich im Licht aufzulösen.
Zu seinen wichtigen Werken zählen Mutterschaft von 1890 bis 1891, Der Tanz der Stunden von 1899, das Triptychon des Tages von 1907 sowie Der Fall der Engel von 1912 bis 1913.
Previati veröffentlichte 1906 außerdem seine Principi scientifici del divisionismo und wurde damit zu einem der wichtigsten Theoretiker der italienischen Richtung.
Seine Bilder sind divisionistisch, aber kaum sinnvoll als pointillistisch zu bezeichnen. Die Farbe erscheint nicht als Folge kleiner Punkte, sondern als Geflecht vibrierender Linien.
Wer nach der Betrachtung eines Previati noch behauptet, Divisionismus bedeute einfach „viele kleine Punkte“, hat entweder das Bild nicht angesehen oder besitzt eine bemerkenswert großzügige Vorstellung davon, was ein Punkt sein darf.
Giuseppe Pellizza da Volpedo: Der vierte Stand
Giuseppe Pellizza da Volpedo verband den Divisionismus mit gesellschaftlichen und politischen Themen. Sein bekanntestes Werk ist Der vierte Stand, italienisch Il Quarto Stato, entstanden zwischen 1898 und 1901.
Das monumentale Gemälde zeigt eine Gruppe von Arbeiterinnen und Arbeitern, die ruhig und geschlossen auf den Betrachter zuschreitet. An der Spitze gehen zwei Männer und eine Frau mit einem Kind. Die Menschen wirken entschlossen, aber nicht gewalttätig. Ihre Bewegung erhält gerade durch ihre Ruhe Gewicht.
Pellizza bereitete das Werk über mehrere Fassungen hinweg vor. Dazu gehören Die Gesandten des Hungers von 1892 und Fiumana, der Menschenstrom, von 1895 bis 1896.
Die divisionistische Lichtführung dient hier nicht nur einer optischen Wirkung. Aus dem dunkleren Hintergrund treten die Menschen in einen helleren Raum. Das Licht wird zum Bild gesellschaftlicher Hoffnung und historischen Aufbruchs.
Man muss dieses Versprechen nicht teilen, um die Wirkung des Gemäldes zu verstehen. Kunst darf gesellschaftliche Hoffnung darstellen, ohne vorher den Nachweis zu erbringen, dass diese später ordnungsgemäß eingelöst wurde.
Auch Pellizzas Die aufgehende Sonne von 1904 und Der Spiegel des Lebens aus den Jahren 1895 bis 1898 zeigen, wie eng seine Lichtgestaltung mit philosophischer und gesellschaftlicher Bedeutung verbunden war.
Angelo Morbelli: Alter, Armut und Arbeit
Angelo Morbelli widmete sich häufig Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden. Er malte schlecht bezahlte Arbeiterinnen in den Reisfeldern, alte Menschen, Arme und Bewohner sozialer Einrichtungen.
Zu seinen wichtigen Werken gehören Für achtzig Centesimi! von 1895, das die harte Arbeit von Frauen in den norditalienischen Reisfeldern thematisiert, sowie seine Bilder aus dem Mailänder Altersheim Pio Albergo Trivulzio.
In diesen Werken wird die divisionistische Malweise nicht zur dekorativen Veredelung des Elends. Das Licht macht Räume, Körper und soziale Distanz sichtbar. Es verleiht Menschen Präsenz, denen die Gesellschaft nur begrenzte Aufmerksamkeit zugestand.
Die Teilung der Farbe und die Teilung der Gesellschaft stehen nebeneinander. Das ist keine formale Gleichsetzung, aber eine gedanklich starke Verbindung.
Emilio Longoni: Hunger und Protest
Auch Emilio Longoni verband divisionistische Malweise mit gesellschaftlicher Kritik. In Der Redner des Streiks von 1890 bis 1891 wird politische Erregung zum Bildgegenstand. Überlegungen eines Hungernden von 1894 zeigt einen armen Mann vor dem Fenster eines Restaurants. Hinter der Scheibe befindet sich der gedeckte Tisch, davor der ausgeschlossene Betrachter des Überflusses.
In diesen Bildern dient die geteilte Farbe nicht der optischen Unterhaltung. Sie macht Hunger, Protest und gesellschaftliche Ungleichheit sichtbar.
Später wandte sich Longoni verstärkt alpinen Landschaften zu. Damit näherte er sich jener Naturerfahrung, die auch bei Segantini eine wichtige Rolle spielte.
Vom Divisionismus zum Futurismus
Der italienische Divisionismus wirkte in das frühe 20. Jahrhundert hinein und wurde zu einer wichtigen Grundlage des Futurismus. Künstler wie Giacomo Balla, Umberto Boccioni, Carlo Carrà und Gino Severini übernahmen die zerlegte, vibrierende Farbstruktur.
Sie verwendeten sie jedoch zunehmend, um Bewegung, Geschwindigkeit, elektrisches Licht und moderne Großstadtdynamik darzustellen. Die einzelnen Farbstriche sollten nicht mehr nur Helligkeit erzeugen. Sie wurden zu Trägern von Energie und zeitlicher Bewegung.
Was bei Segantini noch alpines Licht und spirituelle Naturerfahrung ausdrückte, begann wenige Jahre später zu rasen, zu lärmen und Automobile zu bewundern.
Die Entwicklung zeigt, wie folgenreich der Divisionismus war. Er stand zwischen dem Impressionismus des 19. Jahrhunderts und den avantgardistischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts. Die Farbe wurde schrittweise aus ihrer Bindung an die naturgetreue Darstellung gelöst. Sie durfte immer stärker selbst handeln.
Einige Bilder, die man gesehen haben sollte
Kunsttheoretische Begriffe bleiben zwangsläufig etwas blutleer, wenn man die dazugehörigen Bilder nicht betrachtet. Pointillismus und Divisionismus müssen aus der Nähe und aus der Entfernung gesehen werden. Erst dann wird verständlich, wie sich Punkte, Striche und Farbfäden zu Licht, Körpern und Landschaften verbinden.
Für einen ersten Überblick empfehle ich folgende Werke:
Als Vorläufer:
Eugène Delacroix, Der Tod des Sardanapal; Die Freiheit führt das Volk; Jakob ringt mit dem Engel.
Claude Monet, Impression, Sonnenaufgang; die Serie der Kathedrale von Rouen.
Pierre-Auguste Renoir, Bal du moulin de la Galette.
Französischer und belgischer Neoimpressionismus:
Georges Seurat, Badende bei Asnières; Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte; Die Modelle; Parade de cirque; Le Chahut; Der Zirkus.
Paul Signac, Porträt von Félix Fénéon; Frauen am Brunnen; Der Papstpalast in Avignon; Der Hafen von Saint-Tropez.
Henri-Edmond Cross, Die goldenen Inseln; Der Abendhauch; Der Strand von Saint-Clair; Eine Lichtung in der Provence.
Maximilien Luce, seine Ansichten von Paris sowie die Industrie- und Hochofenbilder aus Charleroi.
Camille Pissarro, Apfelpflücken und die neoimpressionistischen Ansichten aus Éragny.
Théo van Rysselberghe, Porträt von Alice Sèthe; Große Wolken; Die Lesung.
Italienischer Divisionismus:
Giovanni Segantini, Die zwei Mütter; Die bösen Mütter; Der Engel des Lebens; das Alpentriptychon.
Gaetano Previati, Mutterschaft; Der Tanz der Stunden; das Triptychon des Tages; Der Fall der Engel.
Giuseppe Pellizza da Volpedo, Die Gesandten des Hungers; Fiumana; Der vierte Stand; Die aufgehende Sonne.
Angelo Morbelli, Für achtzig Centesimi! und die Darstellungen aus dem Pio Albergo Trivulzio.
Emilio Longoni, Der Redner des Streiks; Überlegungen eines Hungernden.
Die geneigte Leserin und der geneigte Leser mögen nun vielleicht erwarten, dass all diese Werke hier auch abgebildet werden. Das wäre zweifellos bequem und würde den Artikel optisch bereichern.
Es würde allerdings bedeuten, für jedes einzelne Bild zu prüfen, ob die jeweilige digitale Reproduktion tatsächlich frei verwendet werden darf, welche Institution welche Rechte oder Nutzungsbedingungen beansprucht und ob sich hinter einem freundlich angebotenen Download nicht doch ein mehrseitiges Regelwerk verbirgt.
Die historischen Gemälde selbst sind aufgrund ihres Alters in aller Regel gemeinfrei. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jede im Internet auffindbare Fotografie oder digitale Reproduktion bedenkenlos für eine Veröffentlichung übernommen werden kann. Museen, Archive und Bildagenturen verwenden unterschiedliche Bedingungen. Die rechtliche Lage ist dabei nicht immer so klar, wie sie nach mehr als einem Jahrhundert eigentlich sein könnte. Wäre sie klar, hätten vermutlich einige Rechtsabteilungen weniger zu tun.
Wer die genannten Werke betrachten möchte, sei daher freundlich auf die Google-Bildersuche und auf die Internetseiten der Museen verwiesen. Namen und Bildtitel stehen bereit. Die weitere Suche sollte auch ohne kunsthistorische Expeditionsausrüstung zu bewältigen sein.
Ich verwende meine Zeit lieber darauf, weitere fotografische Serien zu entwickeln, als herauszufinden, ob die digitale Reproduktion eines 140 Jahre alten Gemäldes möglicherweise jemanden veranlassen könnte, mir eine weniger kunsthistorische und dafür umso juristischere Nachricht zu schicken.
Vom Farbpunkt zum Silberkorn
Die Verbindung zwischen Divisionismus und Fotografie liegt nicht einfach darin, dass ein Gemälde aus Punkten und ein Digitalfoto aus Pixeln besteht. Diese Parallele ist zwar naheliegend, bleibt aber oberflächlich.
Entscheidend ist das Prinzip: Eine sichtbare Einheit entsteht aus vielen voneinander getrennten Elementen. Das Bild ist materiell zerlegt und wird erst durch die Wahrnehmung wieder zusammengesetzt.
In der analogen Schwarzweißfotografie besteht eine scheinbar gleichmäßige Graufläche nicht aus einem vollkommen geschlossenen Grau. Das Bild entsteht in der lichtempfindlichen Schicht aus mikroskopischen Strukturen. Aus der Nähe zeigt sich das fotografische Korn. Erst aus größerer Entfernung werden daraus Haut, Himmel, Stoff, Stein und Schatten.
Das Korn ist kein Fremdkörper, der über dem eigentlichen Foto liegt. Es gehört zu dessen materieller Existenz. Ohne die lichtempfindliche Schicht und ihre Veränderungen gäbe es das analoge Bild nicht.
Was wir als ruhige Fläche wahrnehmen, ist in Wahrheit eine Ansammlung kleinster Unregelmäßigkeiten. Der Körper auf einem Silbergelatineabzug besteht nicht aus Haut. Er besteht aus fotografischer Materie, die wir als Haut erkennen.
Genau darin liegt die Verwandtschaft mit dem Divisionismus. Sie ist nicht technisch, sondern wahrnehmungsbezogen. Seurats Farbtupfen und das fotografische Silberkorn entstehen auf vollkommen unterschiedliche Weise. Dennoch gilt für beide: Aus der Nähe sehen wir die Bestandteile, aus der Entfernung das Bild.
Das Korn besitzt dabei eine Eigenschaft, die der digitalen Fotografie häufig fehlt: Widerstand. Es nimmt der Fläche ihre vollkommene Glätte. Es erinnert daran, dass Fotografie nicht nur Motiv, sondern auch Material ist.
Eine Hautfläche wird durch Korn nicht realistischer. Sie wird fotografischer.
Digitales Korn und die Sehnsucht nach dem Fehler
Digital hinzugefügtes Korn kann die materielle Struktur eines Silbergelatineabzugs nicht wirklich ersetzen. Ein Filter verwandelt eine digitale Aufnahme ebenso wenig in analoge Fotografie, wie ein aufgeklebter Schnurrbart jemanden in Nietzsche verwandelt.
Dennoch kann digitales Korn eine ernsthafte gestalterische Funktion besitzen. Es stört die klinische Glätte, trennt Flächen auf und gibt dem Bild eine sichtbare Struktur. Es kann Übergänge verbinden, harte digitale Flächen beruhigen und der Fotografie eine stoffliche Präsenz verleihen.
Problematisch wird es erst, wenn Korn lediglich deshalb über ein Bild gestreut wird, weil „analog“ derzeit ungefähr das bedeutet, was „hausgemacht“ auf Speisekarten bedeutet: Es klingt warm, handwerklich und entzieht sich vorsorglich jeder genaueren Überprüfung.
Die technische Entwicklung der Fotografie arbeitet seit Jahren daran, Rauschen, Unschärfe und optische Unregelmäßigkeiten aus dem Bild zu entfernen. Sensoren werden rauschärmer, Objektive schärfer und Programme immer geschickter darin, Haut in eine Oberfläche zu verwandeln, die keinem lebenden Organismus mehr zugemutet werden kann.
Kaum ist diese Perfektion erreicht, fügen wir wieder Korn hinzu, simulieren alte Objektive, kaufen Nebelfilter und bezahlen für Programme, die Lichtfehler nachahmen, deren Beseitigung zuvor erhebliche Summen gekostet hat.
Der Mensch ist ein konsequentes Wesen. Vor allem in seiner Inkonsequenz.
Darin liegt aber kein zwingender Widerspruch. Technische Fehler und gestalterische Entscheidungen sind nicht dasselbe. Ein unkontrolliertes Rauschen, das Details zerstört, unterscheidet sich von bewusst eingesetztem Korn. Eine zufällige Unschärfe ist etwas anderes als eine gezielte Auflösung der Konturen.
Die Frage ist nicht, ob ein Bild technisch vollkommen ist. Die Frage ist, ob seine technische Beschaffenheit seiner Aussage dient.
Das Raster im Druck
Noch deutlicher als beim fotografischen Korn zeigt sich die Verwandtschaft zum Divisionismus im Druckraster.
Fotografien in Zeitungen, Zeitschriften, Büchern und auf Plakaten werden seit Langem in Rasterpunkte zerlegt. Unterschiedlich große oder unterschiedlich dicht gesetzte Punkte erzeugen den Eindruck verschiedener Helligkeiten und Farbtöne.
Aus nächster Nähe ist das Motiv kaum mehr zu erkennen. Man sieht Punkte und unbedrucktes Papier. Erst mit wachsender Entfernung erscheinen Gesicht, Landschaft oder Körper.
Ein gedrucktes Gesicht besteht nicht aus Haut, sondern aus Druckfarbe und Zwischenräumen. Dennoch sehen wir keine Ansammlung schwarzer oder farbiger Punkte. Wir sehen einen Menschen. Mehr noch: Wir glauben, in diesem Gesicht Freude, Misstrauen, Trauer oder Erschöpfung zu erkennen.
Die Wahrnehmung verbindet daher nicht nur Punkte zu Formen. Sie verbindet Formen zu Bedeutungen.
Beim Farbdruck werden meist mehrere Raster aus Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz übereinandergelegt. Aus diesen wenigen Druckfarben entsteht der Eindruck einer weit größeren Farbvielfalt. Wieder liegt die vollständige Farbe nicht als einzelne Substanz auf dem Papier. Sie entsteht aus dem Zusammenwirken getrennter Elemente.
Der Vergleich mit dem Divisionismus ist hier besonders naheliegend. Dennoch besteht ein Unterschied: Das Druckraster ist normalerweise ein technisches Verfahren zur Reproduktion eines bereits vorhandenen Bildes. Beim Divisionismus ist die Farbteilung Teil der künstlerischen Konzeption.
Das Ergebnis kann ähnlich aussehen. Der Weg dorthin ist ein anderer.
Der Pixel und der Punkt
Auf den ersten Blick scheint die Parallele zur digitalen Fotografie besonders offensichtlich. Das pointillistische Gemälde besteht aus Punkten, das digitale Foto aus Pixeln. Damit wäre die Sache erklärt, und man könnte den Artikel bereits beenden.
Leider wäre sie damit auch falsch.
Der Pointillist setzt seine Farbpunkte als sichtbare künstlerische Entscheidungen. Der Fotograf setzt seine Pixel nicht einzeln. Sie entstehen durch Sensor, Software und Bildschirm. Beim Pointillismus ist der Punkt Teil der Handschrift. Beim Digitalfoto ist der Pixel zunächst eine technische Voraussetzung.
Wer deshalb jedes Digitalfoto für modernen Pointillismus hält, müsste konsequenterweise auch eine Excel-Tabelle als geometrische Abstraktion würdigen.
Dennoch besteht eine tiefere Verbindung. Auch das digitale Bild ist keine unteilbare Einheit. Es besteht aus einem regelmäßigen Raster von Bildinformationen. Vergrößert man es weit genug, verschwinden Gesicht, Körper und Landschaft. Übrig bleiben einzelne Farb- und Helligkeitswerte.
Erst aus angemessener Entfernung entsteht der Eindruck kontinuierlicher Flächen. Eine Hautpartie ist auf dem Bildschirm keine geschlossene Hautfarbe. Sie besteht aus zahlreichen Pixeln unterschiedlicher Helligkeit und Färbung. Unsere Wahrnehmung verbindet sie.
Der Pixel ist daher nicht der moderne Nachfolger des pointillistischen Punktes. Beide zeigen aber, dass ein Bild aus Elementen bestehen kann, die selbst noch nicht das dargestellte Motiv sind.
Was der Sensor tatsächlich sieht
Auch der Sensor einer Digitalkamera erfasst kein fertiges Bild. Er empfängt Licht und wandelt es in elektrische Messwerte um.
Bei den meisten Kameras befindet sich vor dem Sensor ein Farbfiltermuster, häufig ein sogenanntes Bayer-Muster. Die einzelnen Sensorelemente registrieren dabei nicht jeweils die vollständige Farbinformation. Sie erfassen überwiegend Licht in einem bestimmten Farbbereich – Rot, Grün oder Blau.
Aus diesen unvollständigen Messwerten muss die Kamera oder die RAW-Software die fehlenden Farbinformationen errechnen. Dieser Vorgang wird Demosaicing genannt. Aus benachbarten Werten wird abgeschätzt, welche vollständige Farbe ein Bildpunkt wahrscheinlich besitzen soll.
Das digitale Foto ist daher keine unmittelbare Abschrift der Wirklichkeit. Es ist eine Rekonstruktion aus fragmentarischen Daten.
Die Kamera misst, vergleicht, ergänzt und interpretiert. Sie korrigiert Objektivfehler, rechnet Farben um, beeinflusst Schärfe und reduziert Rauschen. Bei einem JPEG legt sie außerdem Weißabgleich, Kontrast, Farbsättigung, Tonwertkurve und zahlreiche weitere Eigenschaften fest.
Die Vorstellung vom „unbearbeiteten digitalen Foto“ ist deshalb ungefähr so überzeugend wie jene vom naturbelassenen Fertiggericht.
Auch ein JPEG direkt aus der Kamera wurde entwickelt. Der Fotograf hat diese Entwicklung lediglich nicht selbst vorgenommen. Er hat die Entscheidungen dem Kamerahersteller und dessen Algorithmen überlassen.
Das kann bequem und vollkommen vernünftig sein. Es ist nur kein besonderer Triumph der Wahrhaftigkeit.
Wer in JPEG fotografiert, verzichtet nicht auf Bildbearbeitung. Er lässt sie von Menschen durchführen, die er nie getroffen hat, nach ästhetischen Vorgaben, die er nicht kennt, in einem Bruchteil einer Sekunde. Aus unerfindlichen Gründen gilt das bisweilen als authentischer, als wenn ein Fotograf seine eigenen Entscheidungen trifft.
Ein RAW-Format ist ebenfalls keine unangetastete Wirklichkeit. Es enthält Sensordaten, Metadaten und kamerainterne Vorgaben, die erst interpretiert werden müssen. Der entscheidende Unterschied liegt nicht zwischen einem bearbeiteten und einem unbearbeiteten Foto. Er liegt darin, wer die Entwicklung bestimmt.
Der Kamerahersteller kann sie übernehmen. Oder der Fotograf.
Trennung und Rekonstruktion
Hier liegt die eigentliche Verbindung zwischen Divisionismus und Fotografie.
Sie besteht nicht primär darin, dass der eine Punkte und die andere Pixel verwendet. Sie liegt in einem gemeinsamen Prinzip: Trennung auf der Bildfläche, Einheit in der Wahrnehmung.
Der Divisionist trennt Farben, damit sie sich im Auge verbinden. Das analoge Foto besteht aus fotografischem Korn, das als Fläche wahrgenommen wird. Der Druck zerlegt Tonwerte in Rasterpunkte. Das digitale Bild setzt sich aus Pixeln zusammen. Der Sensor liefert fragmentarische Messwerte, aus denen ein vollständiges Farbbild errechnet wird.
Diese Verfahren sind technisch vollkommen verschieden. Sie dürfen nicht zu einer einzigen großen Punktesuppe verrührt werden. Aber sie alle zeigen, dass das Bild, das wir sehen, nicht identisch mit den Bestandteilen ist, aus denen es besteht.
Die Einheit ist nicht einfach vorhanden. Sie wird erzeugt.
Der Betrachter als unfreiwilliger Mitarbeiter
Der Pointillismus macht diesen Vorgang besonders sichtbar. Er zwingt den Betrachter, den richtigen Abstand zu suchen.
Aus unmittelbarer Nähe sieht man Punkte. Aus größerer Entfernung erkennt man Formen. Dazwischen befindet sich ein Bereich, in dem die Oberfläche zu flimmern beginnt und das Motiv sich zugleich auflöst und zusammensetzt.
Der richtige Betrachtungsabstand gehört beinahe zum Werk. Das Bild verlangt Bewegung: Annäherung, Auflösung, Rückzug und erneute Zusammensetzung.
Der Betrachter ist damit nicht bloß Empfänger. Er wird zum Mitarbeiter des Bildes, allerdings ohne Arbeitsvertrag und üblicherweise auch ohne Honorar.
Dasselbe geschieht in der Fotografie nicht nur auf der Ebene von Korn, Raster und Pixeln. Es betrifft ebenso die Bedeutung.
Ein Bild enthält niemals alles, was wir darin erkennen. Der Betrachter bringt Erinnerungen, Erwartungen, Ängste, Erfahrungen und kulturelle Vorstellungen mit. Er ergänzt das Fehlende und deutet das Uneindeutige.
Zwei Menschen können vor derselben Fotografie stehen und dennoch nicht dasselbe Bild sehen. Der eine erkennt Schutz, der andere Gefangenschaft. Eine Geste kann Zärtlichkeit oder Abwehr bedeuten. Ein geneigter Kopf kann Demut, Trauer oder Erschöpfung ausdrücken.
Manchmal entdeckt der Betrachter sogar Absichten, von denen der Künstler bis zu diesem Augenblick selbst nichts wusste. Nicht jede Interpretation ist deshalb falsch. Aber auch nicht jede Vermutung wird dadurch tiefgründig, dass man sie langsam und mit ernster Miene ausspricht.
Der Schatten als fehlende Information
Besonders deutlich wird die Beteiligung des Betrachters dort, wo eine Fotografie Information verweigert.
Ein Gesicht bleibt teilweise im Dunkel. Ein Körper wird angeschnitten. Eine Hand taucht aus dem Schatten auf, ohne dass die zugehörige Bewegung vollständig erklärt wird. Eine Figur wird nicht gezeigt, sondern nur durch ihren Schatten angedeutet.
Das Auge versucht unwillkürlich, diese Lücken zu schließen. Doch was es ergänzt, stammt nicht allein aus dem Bild. Es stammt auch aus dem Betrachter.
Eine stark ausgeleuchtete Fotografie scheint zunächst mehr zu zeigen. Jede Hautpartie, jede Falte und jede räumliche Beziehung kann sichtbar werden. Doch die Fülle an Information führt nicht zwangsläufig zu einer intensiveren Wahrnehmung. Mitunter beendet sie das Bild zu früh. Alles ist vorhanden, alles erklärt, nichts muss mehr gesucht werden.
Der Schatten dagegen lässt etwas offen. Er reduziert die sichtbare Information und vergrößert dadurch den Raum der Vorstellung.
Er funktioniert in gewisser Weise wie der Abstand vor einem pointillistischen Gemälde. Erst indem sich der Betrachter vom unmittelbar Sichtbaren löst, entsteht das Bild in seiner Vorstellung.
„Vollständig“ ist dafür allerdings das falsche Wort. Das Bild wird nicht vollständig. Es wird persönlich.
Jeder Betrachter setzt die Fragmente etwas anders zusammen. Das Foto liefert eine Richtung, aber kein endgültiges Ergebnis.
Offenheit ist nicht Beliebigkeit
Dabei darf die notwendige Mitarbeit des Betrachters nicht mit vollkommener Beliebigkeit verwechselt werden. Nicht alles, was unklar bleibt, ist automatisch geheimnisvoll. Nebel allein erzeugt noch keine Tiefe, so wie ein schwarzer Rollkragenpullover noch keinen Philosophen hervorbringt.
Ein starkes Bild lässt etwas offen, ohne unentschlossen zu werden. Es gibt dem Betrachter genügend Spuren, um eine Richtung zu erkennen, aber nicht genug, um den Weg vollständig abzuschließen.
Die Kunst besteht nicht darin, möglichst wenig zu sagen. Sie besteht darin, genau so viel zu verschweigen, dass die Vorstellung zu arbeiten beginnt.
Das gilt für den Schatten ebenso wie für den Punkt. Der einzelne Farbpunkt erklärt das Motiv nicht. Erst sein Verhältnis zu den anderen Punkten lässt etwas entstehen. Ebenso kann ein Körperfragment, eine Geste oder ein Schatten erst im Zusammenhang seine Bedeutung entfalten.
Was ist eigentlich wirklich?
Fotografie wird gerne als Kunst des Festhaltens bezeichnet. Die Formulierung klingt plausibel, ist aber nur teilweise richtig.
Eine Fotografie hält einen Augenblick nicht fest. Der Augenblick ist vergangen. Sie bewahrt lediglich eine durch Technik und Gestaltung entstandene Spur dieses Augenblicks.
Licht wurde begrenzt, gemessen und in eine andere Form übersetzt. Aus räumlicher Wirklichkeit wurde eine Fläche. Aus Farbe wurden Messwerte oder chemische Veränderungen. Aus Bewegung wurde eine bestimmte Zeitspanne. Aus einem unüberschaubaren Blickfeld wurde ein Ausschnitt.
Anschließend wird diese Spur weiterentwickelt, gedruckt oder auf einem Bildschirm dargestellt. Dort begegnet sie einem Betrachter, der sie mit seinen eigenen Erfahrungen verbindet.
Was wir „das Foto“ nennen, ist daher kein einzelner unveränderlicher Gegenstand. Es ist eine Kette von Übersetzungen.
Der Fotograf entscheidet über Ausschnitt, Belichtung, Entwicklung, Kontrast und Materialität. Er kann führen, verdichten und verbergen. Er kann den Blick an eine Hand, eine Schulter oder eine dunkle Fläche binden.
Doch er kann nicht endgültig bestimmen, was der Betrachter darin empfindet.
Das Bild verlässt ihn unvollendet.
Vielleicht ist das kein Verlust von Kontrolle, sondern die Voraussetzung dafür, dass Kunst lebendig werden kann. Ein vollständig erklärtes Bild lässt sich konsumieren. Ein offenes Bild verlangt Beteiligung.
Das Bild liegt nicht auf dem Papier
Der Pointillismus erinnert uns daran, dass die Einheit eines Bildes eine Leistung der Wahrnehmung ist.
Auf Seurats Leinwand befinden sich Punkte und kurze Farbzeichen. Bei Signac und Cross werden daraus Mosaike. Bei Previati und Segantini verwandeln sie sich in Farbfäden und vibrierende Striche. Im fotografischen Abzug finden wir Korn, im Druck Raster, auf dem Bildschirm Pixel.
Keines dieser Elemente ist bereits das vollständige Bild.
Aus nächster Nähe sehen wir Material. Aus größerer Entfernung erkennen wir Formen. Und irgendwo dazwischen entsteht Bedeutung.
Vielleicht besteht ein Bild deshalb niemals wirklich nur auf der Leinwand, dem Papier oder dem Bildschirm. Dort befinden sich Pigmente, Silberstrukturen, Druckfarbe, Helligkeitswerte und elektronische Anzeigen.
Das eigentliche Bild entsteht in jenem flüchtigen Moment, in dem Wahrnehmung und Vorstellung diese Fragmente miteinander verbinden.
Der Pointillismus zeigt keine Welt aus Punkten.
Er zeigt, dass wir aus Punkten eine Welt erschaffen.
